Konzept

… der ALPHINA gGmbH:

Philosophie

Der Mensch wird von uns als Ganzes gesehen. Körper, Seele und Geist bilden eine Einheit. Wir sind tief davon überzeugt, dass der Mensch vor Allem ein soziales Wesen ist, von Anfang an bezogen auf den Mitmenschen. Destruktive oder defizitäre Beziehungserfahrungen machen krank. Befriedigendes soziales Miteinander fördert Gesundheit. Der Mensch stabilisiert sich nicht aus sich heraus. Er ist kein Selbstversorger, sondern angewiesen auf die Einbettung in soziale Bezüge.
Gesundheit und Krankheit ist für uns nichts Festgeschriebenes, sondern einer stetigen Veränderung unterworfen. Gesundheit und Krankheit werden zusammen betrachtet. Entsprechend gilt es, nicht nur Defizite zu beseitigen, sondern auch Potentiale zu fördern und Ressourcen zugänglich zu machen.
In der Betreuung sehen wir den Klienten als Mitmenschen, die Beziehung ist geprägt durch Respekt und mündet in eine individuelle, auf den Klienten und seinem Lebenskontext zugeschnittenen Betreuung. Ziele der Betreuung und Vorgehensweisen werden gemeinsam miteinander erarbeitet.

 

Ziele

Übergeordnetes Ziel ist die Förderung von Gesundheit und Lebensqualität. Dem nachgeordnet sind:
Etablierung von Vertrauen und Förderung von Beziehungsfähigkeit, Konsolidierung der Lebensbasis, Etablierung einer äußeren Struktur, Förderung von Identität und Selbstwert, Förderung kreativer Potentiale und die Integration unserer Klienten in soziale Netzwerke.
Ein uns wichtiges weiteres Ziel ist die Herstellung größtmöglicher Arbeitszufriedenheit unserer Mitarbeiter.

 

Zielgruppe

Im Rahmen der Eingliederungshilfe richtet sich das Angebot der ALPHINA gGmbH an psychisch kranke Menschen im Erwachsenenalter, die im Bezirk Altona wohnen oder dort eine Wohnung suchen. Die seelische Behinderung der Menschen kann ihre Ursache in verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen haben, wie z.B. Psychosen aus unterschiedlichen Formenkreisen, Persönlichkeitsstörungen oder Folge von körperlichen Erkrankungen. Kombinationen verschiedener Erkrankungen körperlicher und psychischer Art sowie auch sekundäre Suchterkrankungen sind kein Ausschlusskriterium für eine Betreuung.

 

Rahmenbedingungen

In der ALPHINA gGmbH werden im Rahmen der Eingliederungshilfe mit Hilfe von 41 therapeutischen Mitarbeitern bis zu 220 Klienten betreut.
Die Betreuung verteilt sich auf vier Standorte (ViaAltona, ViaBahrenfeld, ViaOsdorf und ViaSchanze) und wird durch multiprofessionell zusammengesetzte Teams gewährleistet (Sozialpädagogen, Psychologen, psychiatrische Fachkrankenpfleger und Ergotherapeuten).
Jeder dieser Standorte besitzt eine Begegnungsstätte in der sozio-, arbeits- und kreativtherapeutische Angebote gemacht werden (Tanzgruppen, Theatergruppen, Singgruppen, Entspannungsgruppe, Frühstücksgruppe, Gesprächsgruppen zu verschiedenen Themen, kreative Schreibgruppe, kreativ-handwerkliche Gruppe, Fotogruppe, psychoedukative Gruppen, Bewegungsgruppen und vieles mehr). In den angebotenen Kochgruppen wird die Zubereitung gesunder und preiswerter Ernährung (wieder-) erlernt.
Auf Spaziergängen, Besichtigungen und auf von uns organisierten Reisen können die Klienten ihre Lebenswelt erweitern, Ängste vor fremden Umgebungen ablegen und sich im sozialen Miteinander erproben.
In Sportgruppen wie Box-, Billard-, Tischtennis- und Fußballgruppen wird sportliches Miteinander gefördert. Zur Integration unserer Klienten in die Gesellschaft dienen Kooperationen mit Sportvereinen (z.B. Altona 93).
Jeweils zwei Begegnungsstätten sind auch an den Wochenenden geöffnet.
Der Schwerpunkt des Standortes ViaSchanze liegt im Bereich Migration (hauptsächlich türkische Klienten). Entsprechend werden hier kulturspezifische Angebote gemacht.
ViaSchanze betreut auch ein Apartmentwohnhaus, in dem 13 Klienten jeweils in Einzelwohnungen leben.
Der Standort ViaOsdorf hält neben der Betreuung von Klienten im eigenen Einzelwohnraum auch zwei Wohngemeinschaften (vier bzw. zwei Bewohner) vor.
Die Begegnungsstätte von ViaBahrenfeld – das ViaCafélier – hat sich zur Kultur- und Freizeitstätte entwickelt, in der sich Bürger aus der Umgebung und unsere Klienten treffen, um gemeinsam Veranstaltungen zu besuchen oder gemeinsam Gruppenaktivitäten durchführen.
Im Rahmen des Mittagstischangebotes des ViaCaféliers können sich unsere Klienten im Service oder in der Küche einer gestuften Belastungserprobung unter Arbeitsbedingungen unterziehen.
Von uns ins Leben gerufen wurde eine Selbsthilfegruppe, die sich hier wöchentlich trifft.
Eine Rufbereitschaft aller Standorte ist 7 Tage die Woche über 24 Stunden für die Klienten erreichbar. Anrufe oder Hausbesuche am Wochenende fordern Vertrauen und können zur Vorbeugung und zur Bewältigung von Krisen vereinbart werden.

 

Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele

Als Grundlage für den Prozess der Zielfindung dient der integrierte Behandlungs- und Rehabilitationsplan (IBRP). Ziele werden nie einseitig oder pragmatisch festgelegt, sondern immer wieder zusammen mit dem Klienten ausgehandelt und verändert. Jeder mit dem Klienten vereinbarte Betreuungsplan ist einmalig und orientiert an den Interessen des Klienten, seinen Bedürfnissen, seinen Fähigkeiten und natürlich auch an seinen Möglichkeiten, aber auch an den Möglichkeiten, die wir bereitstellen können.
1. Etablierung von Vertrauen, Förderung von Beziehungsfähigkeit:
Im Schutze der Einzelbetreuung wird Vertrauen und Sicherheit (zurück-) gewonnen. Die Unterstützung durch die Einzelbetreuerinnen und -betreuer dient der Bewältigung des Alltags des psychisch kranken Menschen. Die dabei therapeutische Beziehung basiert auf systemischen, verhaltenstherapeutischen, psychodynamischen, sozio- und milieutherapeutischen Kompetenzen. Die innerpsychischen Konflikte von Klientinnen und Klienten oder die Aufarbeitung der Lebensgeschichte stehen innerhalb der Betreuung nicht im Vordergrund. Bei Notwendiger psychotherapeutischer und/oder psychiatrischer Behandlung vermitteln wir die Klienten an entsprechende Fachleute.
2. Konsolidierung der Lebensbasis:
Die Konsolidierung der Lebensbasis des Klienten im Sinne einer Sicherung seiner finanziellen und räumlichen Situation verstehen wir einerseits als Krisenprophylaxe, andererseits als eine Voraussetzung für jede weitere Arbeit. Die Hilfe bei der Sicherung der Grundbedürfnisse steht somit oft am Beginn eines Betreuungsprozesses. Zur Sicherung der Lebensbasis gehört auch gesunde Ernährung und Einleitung von notwendigen Behandlungen bei Begleiterkrankungen.
3. Etablierung von äußeren Strukturen:
Die Einzel- und Gruppenangebote der Begegnungsstätten und des ViaCaféliers helfen bei der Herstellung einer Tages- und Wochenstruktur. Jeder Klient hat einen festen Wochenplan, dessen Einhaltung besprochen wird.
4. Förderung von Identität und Selbstwertgefühl:
Säule einer sicheren Identität ist Arbeit und Leistung. Arbeit und erlebte Leistungsfähigkeit dienen der Wandlung des Selbstbildes vom passiven Hilfeempfänger bis hin zu einem aktiveren und nützlichen Mitglied der Gesellschaft. Auch unsere Klienten definieren sich über Arbeit und Leistungsfähigkeit. So trägt z.B. eine stufenweise Belastungserprobung in unserem ViaCaféliers im Bereich Service oder Küche zur Steigerung des Selbstwertgefühls bei und stärkt den Glauben an die eigenen Fähigkeiten (Empowerment). In manchen Fällen ist diese Erfahrung die Vorbereitung eines Einstiegs in den ersten- oder zweiten Arbeitsmarkt.
Die Teilnahme an Sportgruppen (z.B. Fußball), der Wettbewerb untereinander und mit anderen Einrichtungen fördert ebenfalls das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit (Selbstwirksamkeit).
5. Förderung kreativer Potentiale:
Die Förderung kreativer Potentiale und die (Wieder-) Entdeckung von Spaß an den eigenen kreativen Ausdrucksmöglichkeiten erreichen wir durch das Angebot zahlreicher Kreativgruppen (s.o.).
6. Integration in soziale Netzwerke:
Da Viele unserer Klienten durch ihre Erkrankung aus sozialen Bezügen herausgefallen sind, ist die Wiedereingliederung in soziale Netzwerke die vordringlichste Aufgabe. Daher sind viele unserer Angebote sozialraumorientiert. Zusätzlich zur Einzelbetreuung legen wir einen Schwerpunkt auf Gruppenarbeit. Hier bekommen unsere Klienten soziales Feedback zu sich und ihrem Verhalten und können so ihr Bild von sich korrigieren. Ist ein familiäres und/oder privates Netzwerk vorhanden, so fördern wir die Wiedereingliederung durch Netzwerkgespräche, an denen möglichst alle Mitglieder des Netzwerkes teilnehmen.
Jede Begegnungsstätte ist auch als Treffpunkt für Bürger mit unseren Klienten konzipiert. Mit Erfolg wird z.B. im ViaCafélier ein Atelier angeboten, in dem Bürger aus der Nachbarschaft zusammen mit unseren Klienten künstlerisch gestalten. Durch regelmäßige und zahlreiche Veranstaltungen (z.B. Dichterlesungen, Vernissagen, Konzerte, Vorlesungen zu Krankheitsbildern, Musikwettbewerbe) interessieren wir die Bürger Altonas für unsere Arbeit. Die Begegnung mit unseren Klienten hilft auf beiden Seiten Vorurteile abzubauen und aufeinander zuzugehen.
7. Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit:
Ein weiteres Ziel der ALPHINA gGmbH ist die Pflege der Mitarbeiterschaft.
Die Betreuung von Menschen mit seelischen (und z.T. zusätzlich somatischen) Behinderungen verlangt den Mitarbeitern Vieles ab. Wir sehen die beste Burn-out-Prophylaxe in klaren Arbeitsstrukturen, in guten Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und im engmaschigen fachlichen Austausch. Der Besuch von Fachfortbildungen, von Tagungen und Kongressen zur fachlichen Weiterbildung und auch die Nutzung von kreativen Angeboten zur eigenen Gesundheitsförderung werden von uns aktiv gefördert.
Da wir soziale Integration und damit verbundene Netzwerkarbeit sehr ernst nehmen, haben wir alle unsere Mitarbeiter im Rahmen einer zweijährigen Inhouse-Schulung in Netzwerkarbeit weitergebildet.
Zur Reflexion und Qualitätssicherung unserer Arbeit tragen regelmäßige Supervisionen durch externe Supervisoren (14-tägig) und wöchentlich stattfindende Intervisionen sowie regelmäßige Fallgespräche bei.